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02.08.2022

Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA): Mit User Experience zu einer besseren Adhärenz

Ob Diabetes, Asthma oder Bluthochdruck – der Erfolg von medizinischen Behandlungen hängt wesentlich davon ab, ob Patient*innen motiviert daran mitarbeiten. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) haben großes Potenzial, die Therapie-Adhärenz zu erhöhen. Und auch für Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten bietet sie Vorteile: Können sie mit digitalen Services doch neue Geschäftsfelder erschließen. Die Akzeptanz dieser Gesundheitsapps steht und fällt mit einer guten Usability & User Experience. Wie Ihr die erreicht, erfahrt Ihr in unserem Artikel.

Nehmen Patient*innen ihre Medikamente regelmäßig ein? Ändern sie ihren Lebensstil oder ihre Gewohnheiten beim Essen? Viele Patient*innen haben Schwierigkeiten ihre Therapiepläne diszipliniert umzusetzen. Es gibt viele Gründe, warum es an der Therapietreue, der sogenannten Adhärenz, mangelt: unzureichende Informationen, wie Arzneimittel wirken, fehlende Motivation oder mangelnde Kommunikation seitens der Ärzt*innen.

Fehlende Adhärenz ist einer der häufigsten Gründe, warum Therapien versagen. In den Industrienationen liegt die langfristige Adhärenz bei nur 50 %. (1) Dies ist nicht nur ein großes Risiko für die Gesundheit der Patient*innen. Es verursacht zugleich hohe Kosten für die Krankenkassen. 2007 lagen die medizinischen Kosten, die in Deutschland durch mangelnde Adhärenz entstanden, jährlich bei 10 Milliarden Euro. Das entspricht 13 % aller Krankheitskosten. (2) Doch wie lässt sich das verringern?

Gesundheits-Apps für mehr Adhärenz

Apps in Kombination mit Wearables, Künstlicher Intelligenz und Cloud Computing bergen ein enormes disruptives Potenzial. Als Zielgruppe sind vor allem chronisch Kranke (3) und aufgrund ihrer Technikaffinität Jugendliche (4) interessant. Insbesondere bei Wohlstandskrankheiten spielen Apps ihre Stärke aus: Sie können beispielsweise Diabetes-Erkrankten helfen, ihr Gesundheitsverhalten langfristig zu ändern und ihr Selbst-Management zu optimieren. Eine hohe Therapie-Adhärenz kann bei vielen chronischen Erkrankungen kostspielige Behandlungen und Krankenaufenthalte vermeiden. (5)

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Aber auch in der operativen Nachsorge und der Rehabilitation lässt sich durch Apps der Therapieerfolg steigern. So entwickelte UID in dem Forschungsprojekt Script mehrere Motivational Games für Schlaganfall-Patient*innen. Die Patient*innen ziehen einen Roboter-Handschuh an, der die Bewegungen der Hand und Finger unterstützt. Mit der Hand steuern die Patient*innen interaktive Spiele und erlernen so spielerisch Alltagsbewegungen wieder neu.

Vom Hersteller zum Service-Provider

Dass sich eine hohe Adhärenz für Erkrankte und die Krankenkassen auszahlt, ist klar. Aber was ist mit Pharmaunternehmen bzw. Herstellern von Medizinprodukte? Warum sollten sie überhaupt in digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) für mehr Therapietreue investieren? Durch digitale Services entwickeln Unternehmen neue Business Modelle: Sie können neben Arzneimitteln und Hardware zusätzliche Einnahmen durch "Service an Patient*innen" generieren. Damit einher geht auch ein Paradigmenwechsel: Der Blick richtet sich vom Produkt auf die Patient*innen. Dank der Zulassung und Erstattung als DiGA lassen sich diese neuen digitalen Services zudem optimal vermarkten.

Usability & UX für eine höhere Adhärenz

Mehr als die Hälfte aller Pharmaunternehmen (53,7 %) bieten heute Apps an, die die Adhärenz von Patient*innen unterstützen sollen. Das Problem: Die meisten dieser Apps werden bisher nur sehr zurückhaltend genutzt. (6) Vor allem die, die davon profitieren könnten, nehmen die digitale Unterstützung nur selten an. Die Apps scheinen an den Bedürfnissen chronisch Erkrankter vorbei entwickelt worden zu sein. Die Patient*innen müssen Lust haben, die Gesundheitsapp regelmäßig zu nutzen. Eine gute Usability (Gebrauchstauglichkeit) und User Experience (positives Nutzungserlebnis) sind hierbei entscheidende Erfolgsfaktoren.

Eine gute Usability und User Experience (UUX) bietet gleich mehrere Vorteile:

  • Sie minimiert das Risiko von Bedienfehlern. Das vermittelt den Nutzenden Sicherheit und schafft Vertrauen.
  • Sie reduziert die Einstiegsbarrieren: Anwendungen mit guter UUX sind intuitiv zu verstehen. Nutzende können sie ohne große Einlernzeit oder viele Schulungen bedienen. Wenn sie hingegen schon bei der Inbetriebnahme oder den ersten Schritten scheitern, können sie den möglichen Mehrwert der digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) gar nicht erst erfahren.
  • Anwendungen mit einer guten UUX lassen sich einfach und schnell bedienen. Die Nutzenden können Bedienschritte schnell und unkompliziert ausführen. Sie werden nicht „aufgehalten“, sondern optimal in ihren Aufgaben unterstützt. Das steigert die Bereitschaft, die Anwendung regelmäßig zu nutzen.

Menschenzentriert zu mehr User Experience

Doch wie entstehen Anwendungen mit guter User Experience? Das wichtigste: Die Anwendungen müssen den Nutzenden einen echten Mehrwert bieten und sich optimal in ihren Alltag integrieren. Die Patient*innen müssen die Funktionen als alltagstaugliche Unterstützung ihrer Behandlung wahrnehmen. Nur dann setzen sie sich überhaupt mit der Anwendung auseinander und nutzen sie regelmäßig. Dafür müssen Hersteller digitaler Lösungen die Bedürfnisse der Nutzenden sehr genau kennen und diese optimal adressieren. Hierbei hilft der Human Centered Design Process.

Denn der Human Centered Design Process stellt den Nutzenden in den Mittelpunkt der Gestaltung. Zu Beginn anaylsiert er die Bedürfnisse der Nutzenden und des Kontexts der Nutzung. Hierfür bieten sich verschiedene Methoden der User Research an. Die Customer Journey Map beispielsweise gibt Einblick in den Alltag der Nutzenden. Sie zeigt, wie Patient*innen entlang des Customer Lifecycle mit der Anwendung interagieren. Wenn ihr mehr erfahren wollt: In einem Paper vergleichen wir, welche Methode sich wann eignet. Mithilfe dieser User-Research-Methoden erkennen Hersteller von Arzneimitteln und Medizinprodukten, an welchen Stellen sie Patient*innen in ihrem Therapie-Alltag entlasten können. So entstehen eHealth-Angebote, die perfekt auf die Nutzenden zugeschnitten sind.

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Besonderen Zielgruppen gerecht werden

Angesichts vieler chronischer Krankheitsbilder könnten viele Senior*innen zur Zielgruppe von Gesundheitsanwendungen zählen. Viele Ältere haben wenig Erfahrung und Selbstvertrauen mit digitalen Produkten und sind diesen gegenüber skeptisch. Aufgrund des Alters, der chronischen Erkrankung oder der Medikation können motorische und kognitive Einschränkungen zudem die Bedienung erschweren. Dies muss das Design der digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) berücksichtigen.

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Niedrige Einstiegshürden und eine perfekte Usability spielen im Hinblick auf die Zielgruppe eine große Rolle. Aber auch das Thema Responsiveness sollte im Fokus sein: Senior*innen verfügen nicht immer über die neuste Technik. Um niemanden auszuschließen, sollte die Anwendung auf möglichst vielen Endgeräten gut funktionieren. Auf welche Anforderungen Ihr eingehen solltet? Diese Informationen findet Ihr am besten mit den oben erwähnten User-Research-Methoden heraus.

Transparenz über Zweck und Daten

Gerade bei Gesundheitsanwendungen und sensiblen Daten müssen digitale Lösungen Vertrauen vermitteln. Eine transparente Kommunikation ist hier unabdingbar: Zum einen sollten Patient*innen klar erkennen, für welche Zwecke sie die Gesundheitsapp verwenden können. Um Fehlnutzungen zu verhindern, sollten die Grenzen der Apps klar aufgezeigt werden. Auch beim Datenschutz sollte man mit offenen Karten spielen: Welche Daten sammelt und speichert die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA)? Was passiert damit? Wer hat Zugriff darauf?

Motivation steigern mit Gamification

Die Motivation der Nutzenden ist entscheidend für die Therapietreue. Eine erfolgversprechende Lösung, um diese zu steigern, ist Gamification. Dabei werden Spielelemente wie Challenges, Badges etc in spielfremden Kontexten adaptiert. Ein gelungenes Beispiel ist die App MySugar. Sie beinhaltet Challenges, die Diabetiker*innen erfolgreich absolvieren, wenn sie ihre Blutzuckerwerte und Kalorien dokumentieren. Diese Challenges zu meistern, erfüllt die Patient*innen mit Stolz und hilft ihnen, am Ball zu bleiben. Mehr noch: Diese spielerischen Engagement-Strategien können der ausschlaggebende Faktor sein, warum Patient*innen eine App nicht nur nutzen, sondern sie mit Freue nutzen. Dieses positive Nutzungserlebnis (UX) kann zum entscheidenden Unique Selling Proposition (USP) einer Anwendung werden.

Fazit

Unternehmen, die digitale Anwendungen zur Adhärenz-Steigerung entwickeln, wandeln sich vom reinen Hersteller von Arzneimittel und Medizinprodukten zu eHealth Service Providern. Dabei sollten sie mittels des Human Centered Design Process Patient*innen aktiv in die Entwicklung einbeziehen. Sie müssen den Mehrwert der Gesundheitsapp erkennen und diese intuitiv bedienen können. Nur dann kann die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) das Ziel, die Therapietreue zu erhöhen, erreichen. Datenschutz und Datensicherheit, eine fehlerfreie und sichere Bedienung, menschzentriertes Design und Gamification – alle diese Faktoren zusammen sorgen für ein positives Nutzungserlebnis (User Experience). So erreicht man motivierte Nutzende, die die Gesundheitsanwendung langfristig anwenden und ihre Therapiepläne motiviert und diszipliniert umsetzen.

Die Autor*innen

Seit 2015 entwickelt Dominik Zenth bei UID nutzerfreundliche und kreative Lösungen. Dabei profitieren vor allem Firmen aus dem Bereich Medical & Pharma vom Wissen des studierten Gesundheitswissenschaftlers und Physiotherapeuten. Als Spezialist für User Research und Konzeption von Health-Anwendungen versteht er die Bedürfnisse der Nutzenden und setzt sie in intuitiv bedienbare Produkte um.

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News Author Dominik 935
News Author Juliane 935

Ob Inbound Marketing, Social Media oder Eventorganisation – Juliane Markotschi verfügt über 15 Jahre Erfahrung in klassischer und digitaler Kommunikation. Die Germanistin und Kommunikationswissenschaftlerin entdeckte bei UID die Leidenschaft für Themen aus der UX-Welt und trägt diese seitdem auf den UID-Kanälen nach außen.

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