22.01.2026

Interview: Warum Designpreise ein strategisches Business-Instrument sind

Designpreise sind nicht nur schöner Schmuck fürs Regal, sondern vor allem ein strategischer Hebel für Businessziele. Im Interview erklärt Verena Reuter, Senior User Experience Consultant bei UID, wie ausgezeichnete UX dazu beiträgt, sich in gesättigten Märkten zu differenzieren, neue Kund:innen zu überzeugen und interne Teams zu motivieren.

Verena Reuter, seit 2012 als Senior User Experience Consultant bei UID tätig, gilt nicht ohne Grund als unsere „Queen of Awards“. Sie hat zahlreiche Auszeichnungen gewonnen – unter anderem für Projekte mit Heidolph, TRUMPF und LIEBHERR. Im Interview erklärt sie, wie Designpreise zum wichtigen Business-Instrument werden.

Verena, viele Märkte sind heute extrem gesättigt, der Wettbewerb ist hart. Warum sollte sich ein Unternehmen ausgerechnet über Designpreise differenzieren?

Verena: Wir sind oft von guten Produkten umgeben. Welches sollen wir kaufen? Welches Tool bringt mein Unternehmen voran? Wenn Produkteigenschaften gleich sind, wird das User Interface zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Natürlich greifen Kunden dann oft zum Produkt, das mit einem wichtigen Designpreis ausgezeichnet ist. Er ist ein Gütesiegel für Produktreife und Innovation und schafft Vertrauen.

Im B2B-Markt eröffnet mir ein prämiertes Produkt neue Märkte, auch international. Designpreise schaffen also bleibende Sichtbarkeit, wo andere Marketingmaßnahmen oft verpuffen. Sie ermöglichen außerdem die Berichterstattung über das Unternehmen durch neutrale Medien – dies steigert die Reputation und ist zum Beispiel für die Bewertung des Produkts oder Unternehmens durch die KI von Vorteil.

Ein Designpreis steigert also insgesamt den Wert eines digitalen Produkts. Wie zahlt dies auf meine strategische Unternehmensausrichtung ein? Wie kommen Mitarbeiter:innen damit den Unternehmenszielen näher?

Ein Designpreis zeigt, dass das Unternehmen UX und Design ernstnimmt und menschenzentriert entwickelt. Hinter jedem ausgezeichneten Produkt stecken Köpfe, die ein Produkt mit herausragenden Produkteigenschaften gestaltet haben und das nun auch über das User Interface vermitteln wollen. Unser Kunde LIEBHERR zum Beispiel ist der weltweit größte Anbieter von Turmdrehkranen. Diese Marktführerschaft unterstreicht das mit dem iF Design Award ausgezeichnete Multitouch-Bediensystem. Das Produkt ist exzellent – die Bedienung auch! Der Designpreis stärkt den Fokus auf Qualität, und zwar nach außen und nach innen. Auch das Team ist stolz auf gewonnene Preise und arbeitet motiviert und hart für den nächsten Preis.

Wenn ich Vorteile wie Wettbewerbsdifferenzierung oder höhere Aufmerksamkeit nutzen will: was sind meine ersten Schritte?

Baut den Designpreis strategisch ein! Wenn ein Produkt ausgezeichnet wurde, spricht das für den Standard der gesamten Organisation. Kunden interpretieren das als Beweis für Qualität, Glaubwürdigkeit und Innovationskraft. Wird der Award in die Kommunikationsstrategie integriert, steigert das die Sichtbarkeit und stärkt das Vertrauen in die Marke. Kurz gesagt: Ein Designpreis ist kein Selbstzweck, sondern ein valider Bestandteil der Markenführung – messbar im Vertrauen und in der Marktposition. Mit unserer Beratungsmarke Changitors betreuen wir aktuell zwei Kunden genau aus diesen Gründen bei der Preiseinreichung.

Was kann UID dazu beitragen?

Die Liste der Preise, die wir gemeinsam mit unseren Kunden gewonnen haben, ist lang. In über 25 UID-Jahren sind einige Awards zusammengekommen, hauptsächlich iF Awards und Red Dot Awards. Besonders erfolgreich waren der Thermomix® von Vorwerk und verschiedene UIs von LIEBHERR und TRUMPF.

Ihr kennt also das Geheimrezept, wie man Designpreise gewinnt?

Hinter vielen gewonnenen Preisen stecken natürlich auch einige verlorene Einreichungen. Wir kennen den Prozess und wissen, wie die Jury-Sitzungen ablaufen. UID-Expert:innen waren selbst schon Mitglied in verschiedenen Preis-Jurys. Über die Jahre bekommt man ein Gefühl dafür, worauf es bei der Einreichung ankommt.

Sollte man sein UI also direkt bei einem Designpreis einreichen? Die Einreichungsgebühren an sich sind ja nicht sehr hoch.

Natürlich sollte man nur Produkte einreichen, hinter denen man voll und ganz stehen kann. Die Preiseinreichung ist die „Kür“. Vorher muss man die Pflicht erfüllen und mittels User Centered Design ein exzellentes Produkt schaffen. Deshalb raten wir unseren Kunden erst am Ende eines benutzerzentrierten Prozesses zu einer Einreichung. Das ist nach einer erfolgreichen Gestaltung der logische Schritt.

Im Falle einer Auszeichnung kommt es zu höheren Kosten, auch der Aufwand für eine Einreichung ist oft enorm. Was können Unternehmen tun, die diesen Aufwand scheuen?

Wir raten vielen unserer Kunden zum Siegel „Nutzerzentriert entwickelt“, welches vom Verein Usability in Germany (UIG) vergeben wird. Wer das Siegel erhalten will, muss sich auditieren lassen. Es zertifiziert nutzerzentrierte Entwicklungsprozesse digitaler Produkte.

Wie lautet also dein Fazit zu Designpreisen und deren Wirkung für Unternehmen?

Einfach machen! Ein Designpreis ist eine tolle Belohnung für die eigene Arbeit und entlohnt für viele vielen Stunden Projektarbeit. Man bekommt schwarz auf weiß, dass man ein tolles Produkt für Menschen geschaffen hat. Das fühlt sich gut an, denn man hat das eigene Ziel erreicht: ästhetische und nutzerfreundliche Produkte schaffen.

Das Interview führte Marion Gottschling.

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