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03.11.2021

Placeonas: Place + Personas = bessere UX?

Jede*r UX Designer*in kennt Personas. Wer sich jedoch mit Voice User Interfaces beschäftigt, kommt an einem Schlagwort nicht mehr vorbei: den sogenannten Placeonas. Wie der Name schon sagt, verbinden Placeonas Personas mit dem Ort (Place) der Interaktion. Wir sagen Euch, was sich dahinter verbirgt und was die Methode kann. Ist sie eine sinnvolle Ergänzung des Persona-Konzepts oder einfach nur ein kurzfristiger Hype?

Was sind Placeonas?

Insbesondere bei Voice User Interfaces macht der Ort der Nutzung einen großen Unterschied: Im Auto haben Nutzende die Straße im Blick und die Hände am Lenkrad. Die Stimme ist die sicherste Art und Weise, um mit einem Device zu interagieren. Wer in der Bibliothek sitzt, greift hingegen eher auf andere Interaktionsformen wie Touch zurück, um seine Mitlernenden nicht zu stören. Um dem gerecht zu werden, schuf Bill Buxton, ein Researcher bei Microsoft, die Methode der Placeonas.

Die Placeonas lenken also den Blick auf den Ort, an dem das digitale Produkt genutzt wird. Sie beschreiben, wie der Standort die Tätigkeit des Nutzenden die Interaktion beeinflusst und geben vor, welche Modalität und Technologie sich für die Interaktion eignet. Menschen können mit digitalen Produkten mittels Händen, Augen, Ohren und Stimme interagieren. Es gibt nicht DIE optimale Eingabe- und Ausgabemodalität. Vielmehr hängt diese davon ab, wo sich Nutzende befinden, was sie tun und welche Sinne "frei sind" für die Interaktion. Ist der Umgebungslärm zu hoch, um die Antwort zu hören? Muss der Nutzende lautstark private Infos aussprechen? Kann er problemlos auf den Bildschirm schauen, um visuelle Informationen zu sehen? Placeonas helfen dabei, Antwort auf Fragen wie diese zu finden.

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Wer zuhause ein Essen vorbereitet, hat vielleicht nasse oder schmutzige Hände, und möchte daher sein Smartphone mit der Koch-App nicht berühren. Während die Hände eingeschränkt sind, sind Stimme, Augen und Ohren verfügbar. Dieses Wissen können Gestalter nutzen und die Interaktion entsprechend gestalten. Denkbar sind beispielsweise Koch-Apps, die den nächsten Kochschritt auf einen sprachlichen Befehl oder eine Geste hin aufrufen.

Wie sinnvoll sind Placeonas?

Auf den ersten Blick stellen sich UX Designer*innen sicher die Frage: Brauchen wir hierfür wirklich eine neue Methode? Schließlich ist die Analyse der Nutzungsumgebung ein zentraler Bestandteil des Human Centered Designs. Beschränkt die Nutzungsumgebung die Interaktion, deckt dies eine Nutzungskontextanalyse auf. Wobei diese sogar deutlich umfangreicher ist als die Placeonas, da diese nur die Interaktionsmodalitäten fokussiert.

Nichtsdestoweniger können wir den Placeonas – nicht nur für Designer*innen von Voice User Interfaces– einiges abgewinnen. Placeonas führen schnell und anschaulich vor Augen, wie und wo Nutzende mit dem digitalen Produkt oder Service interagieren. Placeonas sensibilisieren für und visualisieren den Kontext der Nutzung. Damit helfen sie, Einschränkungen zu erkennen und sich für oder gegen Technologien bzw. Interaktionsformen zu entscheiden.

Placeonas lassen sich aus unserer Sicht beispielsweise sehr gut einsetzen, um Websites, Apps oder Anwendungen barrierefrei zu gestalten. Placeonas decken auf, welche Zielgruppen wie Blinde oder Gehörlose auf andere Interaktionsmodalitäten angewiesen sind. Dabei sollten UX Designer*innen die Placeonas jedoch entsprechend verfeinern. Sie sollten nicht nur beschreiben, ob die Zielgruppe beispielsweise sehen oder nicht sehen kann, sondern auch welches Farbspektrum sichtbar ist.

Mit Placeonas können UX Designer*innen Lösungen gestalten, die sich nahtlos in das Nutzungserlebnis integrieren. Placeonas machen darauf aufmerksam, wenn sich der Kontext der Nutzung ändert. Gestalter können Lösungen so anpassen, dass aus damit einhergehenden Einschränkungen.

Wenn Nutzende in ein Auto steigen oder eine Bibliothek betreten, können neue Einschränkungen entstehen. Gestalter können Lösungen so anpassen, dass Nutzende weiterhin nahtlos mit einer Anwendung interagieren können – ohne den Raum verlassen oder rechts ranfahren zu müssen. Placeonas inspirieren zugleich, denn sie öffnen den Blick für Interaktionsmodalitäten jenseits des Displays. Placeonas können somit eine sinnvolle Erweiterung von Personas sein.