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22.03.2016

Interaktive Erinnerungen für Menschen mit Demenz

Menschen mit Demenz zu betreuen und zu pflegen, ist eine der größten Herausforderungen der Zukunft. In dem Forschungsprojekt "Interactive Memories" (InterMem) untersucht UID, wie man mit digitalen Medien die Erinnerungen von Menschen mit Demenz "beleben" kann. Ziel ist es, so die Lebensqualität der Betroffenen zu steigern und die Pflege zu erleichtern.

Derzeit leben ca. 1,4 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland. Die älter werdende Gesellschaft wird diese Zahl bis 2060 auf ca. 2,5 Millionen ansteigen lassen. Menschen mit Demenz können sich immer weniger an früheres Wissen und Erfahrungen erinnern. Dadurch fällt es ihnen häufig schwer, Gegenstände, Situationen und Personen in den richtigen Zusammenhang zu bringen. Jedoch sind die eigene Biografie und das Erinnerungsvermögen immens wichtig, um die eigene Identität zu erhalten, sozial dazuzugehören und sich wohl zu fühlen.

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Mehr Lebensqualität durch Technik

Der Ansatz von Biografie-Arbeit und Erinnerungspflege zielt daher darauf ab, biografische Informationen sowie Artefakte persönlicher Erinnerungen zu sammeln. Therapeuten und Pfleger setzen diese ein, um Erinnerungen zu stimulieren und Betroffene zu aktivieren. Dies geschieht aktuell vor allem mit analogen Medien wie Fotos und Fotobüchern. Wie diese Informationen und Artefakte mit Hilfe digitaler Medien, internetbasierten Ansätzen und innovativer Interaktionsformen wie Gestenbedienung strukturiert erfasst und eingesetzt werden können, untersucht das Forschungsprojekt InterMem.

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Neben persönlichen Erinnerungen können Pflegekräfte auch Gegenstände und Materialien verwenden, die die Betroffenen an wichtige kulturelle Ereignisse ihrer Generation (z. B. die Mondlandung oder die Weltmeisterschaft in Bern) erinnern. Diese können die Betroffenen multimodal erkunden und sich aktiv darüber austauschen. Die digitalisierte Biografie-Arbeit und Erinnerungspflege würde die Pflege und Betreuung in Einrichtungen und Zuhause erleichtern und die Lebensqualität der Betroffenen steigern.

UID bringt Expertise ein

Im ersten Schritt sammeln die Projektbeteiligten Informationen, wo und wie die Biografie-Arbeit und Erinnerungspflege derzeit angewendet wird. Dabei untersuchen wir zum einen, wie Menschen mit Demenz untereinander, mit Angehörigen und Pflegepersonal interagieren. Zum anderem finden wir heraus, wie wir Biografie-Arbeit und Erinnerungspflege in diesem Kontext technisch unterstützen können, um das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz zu erhöhen.

Anschließend entwickeln wir detaillierte Konzepte sowie neuartige Benutzer-Schnittstellen und machen diese mit Prototypen erfahrbar. Für eine hohe Akzeptanz beziehen wir Pflegeheimbewohner und Angehörige in alle Phasen des Projekts mit ein und testen die Konzepte mit Menschen mit Demenz.

Das Projekt ist im Juni 2015 gestartet und ist auf drei Jahre angelegt. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Neben UID sind verschiedene Universitäten und Hochschulen, andere mittelständische Unternehmen, Informationsstellen und Pflegeeinrichtungen beteiligt.