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10.03.2022

Freie Fahrt voraus: mehr Sicherheit und Komfort für Radfahrende

Welche Faktoren beeinflussen, wie sicher sich Fahrradfahrende im Straßenverkehr fühlen? Diese Frage untersuchen wir im Forschungsprojekt ESSEM gemeinsam mit Partnern aus Wissenschaft, Industrie und Städten. Hierzu erheben wir umfeld- und personenbezogene Daten von Fahrradfahrenden. Aus den Daten leiten wir Ideen ab, wie die Infrastruktur für Fahrradfahrende verbessert und die Fahrradnavigation stressfreier gestaltet werden können. Für einen sicheren und komfortablen Radverkehr!

Wer mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs, kennt das: eingeengt zwischen parkenden und fahrenden Autos; immer auf der Hut vor der nächsten Autotür, die sich unvermittelt öffnen könnte. Fehlende Radwege an gefährlichen Stellen. Autos, die zu knapp überholen. Der Puls schießt nach oben, das Gefühl der Unsicherheit, Angst oder Wut macht sich breit. Dieses subjektive Gefühl der Gefahr lässt sich auch mit Zahlen belegen: 2020 sind in Deutschland 92.247 Radfahrende verunglückt; 5,6 % mehr als im Vorjahr. 436 davon sind an ihren Verletzungen gestorben. Gefährlich wird es vor allem innerhalb von Ortschaften: Dort starben mehr Fahrradfahrende und zu Fuß Gehende als Menschen in Pkw. (1)

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Sicher radeln dank Big Data

Das will das Forschungsprojekt ESSEM ändern. ESSEM steht für Emotion Sensing für (E-)Fahrradsicherheit und Mobilitätskomfort. Das Projekt untersucht, welche Faktoren das Sicherheitsempfinden und den Komfort von Radfahrenden beeinflussen. Dazu erhebt das Projektteam verschiedene umfeld- und personenbezogene Daten und wertet diese aus:

Emotion Sensing

In Osnabrück und Ludwigsburg stattet das Projektteam 50 Teilnehmende mit körpernahen Sensoren aus. Sie messen beispielsweise Hauttemperatur und Herzfrequenz, sogenannte Emotion-Sensing-Daten. Die Daten zeigen, wann und wo Radfahrende subjektiv beispielsweise Stress oder Angst empfinden. Dabei untersucht das Team auch individuelle Aspekte zu Fahrverhalten oder Ausstattung – wie digitalem Rückspiegel oder Warnweste.

Kontextuelle Daten

Diese individuellen Daten kombiniert das Projektteam mit kontextuellen Informationen. Das sind einerseits witterungsbedingte Einflüsse wie Luftqualität oder Niederschlag. Aber auch die Beschaffenheit der Verkehrsinfrastruktur fließt mit ein: Gibt es Radwege? Wenn ja, sind diese breit genug oder richtig platziert? Sind Ampelzeiten ausreichend lang, um als Radfahrer sicher die Kreuzung zu überqueren?

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Produktideen für mehr Sicherheit

Auf dieser Datenbasis entwickelt das Projektteam Ideen für menschenzentrierte Produkte und Services rund um die Fahrradmobilität. Dazu gehört ein Navigationsservice, der eine möglichst stressfreie Route ermittelt, aber auch smarte, fahrradspezifische Komponenten. Die Ideen setzt das Team prototypisch um, um diese möglichst früh mit Nutzenden zu testen und die Ideen weiter zu optimieren.

Radfreundliche Infrastruktur

Der zweite Fokus des Projekts liegt darauf, die städtische Radinfrastruktur zu verbessern. Durch das Verknüpfen von Emotion-Sensing- mit kontextuellen Daten erkennt das Team, welche Situationen und Verkehrsmerkmale gefährlich oder stressfördernd sind. Anschließend überprüft es, ob sich bauliche Änderungen oder eine andere Straßenführung positiv auf die Radfahrenden auswirken.

Klimafreundliche Mobilität

Die Produkt- und Serviceideen sowie die radfreundliche Optimierung der Infrastruktur sollen das Gefühl von Sicherheit und den Mobilitätskomfort von Radfahrenden steigern. Das motiviert mehr Personen, ihr Fahrrad im Alltag zu nutzen. So fördert ESSEM die nachhaltige Mobilität in deutschen Städten.

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Breites Konsortium

Das Projekt ist im Januar 2022 gestartet und läuft 36 Monate. Es wird vom Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) gefördert. Wir freuen uns, dass wir im Projekt mit Partnern aus unterschiedlichen Bereichen zusammenarbeiten: Neben UID sind das IAT der Universität Stuttgart, die Stadtquartiersplanung des Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Fachbereich Geoinformatik der Paris Lodron Universität Salzburg (PLUS) mit am Start. Sie sind vor allem für die sensorische Erhebung der Daten und die sensorische Entwicklung der Prototypen verantwortlich. Auf der Anwenderseite ergänzen die Unternehmen Porsche Digital GmbH, Bike Citizens Mobile Solutions GmbH sowie der Verein Allgemeiner Deutscher Fahrradclub e.V. (ADFC) das Team. Die Städte Osnabrück und Ludwigsburg runden das Konsortium ab. Dort erhebt das Projektteam mittels Testteilnehmenden die Daten.

Die Autorin

Ob Inbound Marketing, Social Media oder Eventorganisation – Juliane Markotschi verfügt über 15 Jahre Erfahrung in klassischer und digitaler Kommunikation. Die Germanistin und Kommunikationswissenschaftlerin entdeckte bei UID die Leidenschaft für Themen aus der UX-Welt und trägt diese seitdem auf den UID-Kanälen nach außen.