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10.01.2022

e-Rezept: UX und die digitale Transformation im Gesundheitswesen

Das E-Rezept für verschreibungspflichtige Arzneimittel* ist ein wichtiger Schritt in Richtung Digitalisierung im Gesundheitswesen. Die Branche steht vor einen langfristigen Transformationsprozess. In unserem Beitrag zeigen wir am Beispiel des E-Rezepts, wie Ihr UX für die erfolgreiche Einführung von Innovationen nutzen könnt und warum es wichtig ist, alle am Prozess Beteiligten einzubeziehen.

Die Umstellung auf das E-Rezept betrifft viele Marktteilnehmende – von der Arztpraxis, über Krankenhäuser und Apotheken (lokal und online) bis zu Krankenkassen und Software-Herstellern. Dementsprechend vielfältig sind die Einsatzszenarien und Nutzungsrollen. Denn nicht nur medizinisches Fachpersonal, sondern auch Patient*innen potenziell aller Altersklassen nutzen zukünftig digitale Anwendungen rund um die Verordnung von Arzneimitteln.

Landingpages Digitalisierung Diabetes 02 935

Transformation menschzentriert begleiten

Ein wichtiger Teilaspekt für eine erfolgreiche Digitale Transformation ist es, die Bedürfnisse und Anforderungen aller am Prozess Beteiligten zu verstehen. Dazu gehört nicht nur eine gut gestaltete Usability der genutzten Systeme und Anwendungen, mit denen alle Beteiligten in Berührung kommen. Auch die Auswirkung des Digitalisierungsschritts auf etablierte Prozesse und wie sich Neuerungen optimal in diese integrieren lassen, sollte berücksichtigt werden. Ein iteratives Vorgehen (wie es im Human Centered Design Prozess in DIN EN ISO 9241 Teil 210 beschrieben wird) begleitet Transformationsprozesse langfristig. Denn insbesondere nach der Einführung ist es wichtig, die Mitwirkenden im laufenden Prozess weiterhin und immer wieder einzubeziehen. So kann schnell auf Probleme und Veränderungen reagiert werden und die Akzeptanz der Transformation bei allen Akteuren gesteigert werden.

Perspektive der Nutzenden stärken

Um den Anforderungen der verschiedenen Nutzergruppen gerecht zu werden, empfiehlt es sich die Abläufe rund um das E-Rezept prozess- und stakeholderübergreifend in Praxen, Apotheken, Krankhäusern und bei den Patient*innen vor Ort zu testen. Einzelne Marktteilnehmende haben dies bereits erkannt und umgesetzt. Das ist gut – aber nicht ausreichend. Das sagen nicht nur wir, sondern auch die Speaker des E-Rezept Summits** betonten, wie wichtig weitere und übergreifende Testläufe in der Praxis für die erfolgreiche Umsetzung des E-Rezepts sind. In unserer Arbeit als User Experience Designer stellen wir alle Personen, die an einem System oder Prozess mitwirken, in den Mittelpunkt der Gestaltung. Der gezielte Einsatz von Methoden aus der Nutzungsforschung (User Research), wie zum Beispiel Usability Tests, On Site Visits oder Interviews mit Nutzenden, liefert wichtige Ansätze, um die User Experience verschiedener Systeme zu optimieren und sie zugänglicher zu machen.


Leistungen User Research Innen Medical 935

Nutzung des E-Rezepts in der Praxis beleuchten

User Research unterstützt dabei herauszufinden, wie eine bestimmte Zielgruppe im Alltag tatsächlich agiert: Welche Bedürfnisse hat die Zielgruppe? Wie und mit welchen Workarounds kommen Patient*innen heute an Rezepte? Wie und wo finden die ersten Berührungen mit der digitalen Rezeptwelt statt? Welche Probleme gibt es bei der Bedienung der Programme rund um den E-Rezept-Prozess und wo genau treten sie auf? Welche Ursachen und Konsequenzen haben die Nutzungsschwierigkeiten?

Vor welchen Herausforderungen stehen ältere Menschen, die mit digitalen Systemen nicht vertraut sind? Welche Ängste haben sie? Wie erleben Patient*innen das Zusammenspiel zwischen Arztpraxis, den verschiedenen E-Rezept Apps und Apotheken? Wie integriert sich das E-Rezept in den Arbeitsalltag von Arztpraxen, Krankenhäusern und Apotheken? Welche Hürden gibt es?

Impulse, um Prozesse zu optimieren

Mit den richtigen Fragen lassen sich nicht nur Usability-Probleme zielgerichtet lösen. Es lassen sich auch Impulse für die Gestaltung einzelner oder übergreifender Prozesse ableiten – idealerweise bereits früh in der Entwicklung, aber auch begleitend nach der Markteinführung. Digitale Innovationen müssen sich dabei gut in bestehende Strukturen integrieren. Sie sollen Arbeitsprozesse erleichtern, nicht erschweren. Eine Erfahrung, die wir auch in unserem Projekt HoloMed sammelten. In diesem entstand eine Augmented-Reality-Anwendung, die Chirurg*innen bei Gehirnoperationen unterstützt. Damit sie sich optimal in die routinierten und etablierten OP-Abläufe eingliedert, führten wir Nutzungskontextanalysen in verschiedenen Kliniken durch: Wir besuchten die medizinische Zielgruppe vor Ort, begleiteten sie bei mehreren OPs und befragten sie anschließend.


Außerdem führten wir mit Prototypen Testoperationen durch. So entstanden Konzepte und Designs, die sich perfekt in bestehende Arbeitsabläufe und die mentalen Modelle der Ärzt*innen integrieren und dadurch neurochirurgische OPs sicherer und effizienter machen. Das Beispiel zeigt, wie wir mit User Research alle Stationen der Prozess-Beteiligten analysieren. So identifizieren wir die entscheidenden Berührungspunkte der jeweiligen Nutzungsrollen im Prozess und decken Schwächen oder Lücken auf. Das macht Prozesse transparenter und hilft, Maßnahmen zur Optimierung zu entwickeln – bei futuristischen AR-Brillen wie bei „gewöhnlichen“ Apps.

UX Design Award 2020 für HoloMed

Fazit

Der menschzentrierte Ansatz ist ein wichtiger Begleiter von Transformationsprozessen und unterstützt die Anstrengungen aller Beteiligten, um Veränderungen wie das E-Rezept zum Erfolg zu bringen. Eine auf die verschiedenen Zielgruppen zugeschnittene Digitalisierung erleichtert Nutzenden den Zugang zu neuen Anwendungen und Prozessen und bereitet den Weg für die zukünftige Digitalisierung der Branche, zum Beispiel für die Akzeptanz von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGAs) oder der elektronischen Patientenakte (ePA).