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19.11.2021

Der digitale Alltag eines Diabetikers

Diabetes ist die Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts. Die Diabetes-Therapie jedoch ist noch nicht für alle im digitalen Zeitalter angekommen. Dabei wäre es rein technologisch längst möglich, die physischen und psychischen Belastungen von Diabetiker*innen zu reduzieren und ihr Leben zu erleichtern. Daher beleuchten wir den Alltag von Erkrankten und zeigen Potenziale für eine bessere User Experience.

Diabetes führt nicht nur zu erhöhten Blutzuckerwerten. Mit der Krankheit können viele schwere Folge-Erkrankungen einhergehen wie Nerven- und Nierenschäden oder Blindheit. Auch ungeachtet möglicher Langzeitprobleme, kann Diabetes die Lebensqualität von Erkrankten enorm einschränken. Diesem Problem wollen wir uns in diesem Beitrag unter einer bestimmten Frage nähern: Wie lässt sich die Interaktion mit Medizintechnik so gestalten, dass Diabetiker*innen ein positives Nutzungserlebnis erfahren? Welche technologischen Potenziale werden dabei (noch) nicht genutzt?

Die Herausforderung für Diabetiker*innen

Diabetiker*innen sehen die Welt in Zahlen, Werten und Formeln. Wie sonst sollten sie zum Beispiel aus dem Anblick eines Kuchenstücks zum Ergebnis kommen, wie viel Insulin dafür notwendig ist? Auf Basis der Menge bzw. des Gewichts von Lebensmitteln, des Anteils an Kohlenhydraten und damit der absoluten Menge an kurz- oder langkettigen Kohlenhydraten kombiniert mit dem aktuellen Blutzuckerspiegel müssen sie vorhersagen, wie viel Insulin ihr Körper braucht, um eine bestimmte Menge Nahrungsmittel im Körper zu verarbeiten. Entsprechend müssen sie den Insulinspiegel anpassen, um eine Hyperglykämie zu verhindern. Ein rtCGM-Gerät (kontinuierliches Glukosemesssystem in Echtzeit) misst den Blutzuckerspiegel automatisiert und gibt die Daten an eine App oder Insulinpumpe aus. Wer jedoch nicht über diese Technologie verfügt, muss sich mit der klassischen Variante samt Stechhilfe und Teststreifen zufrieden stellen. Mit dieser messen Diabetiker*innen bis zu 20-mal am Tag den Blutzucker. Die Daten, die das Blutzuckermessgerät generiert, müssen Diabetiker*innen meist analog richtig einordnen und durch eigene Berechnung der Nährwerte anreichern, um eigenständig die Konsequenz aus den angezeigten Werten zu ziehen. Das heißt, sie allein entscheiden, ob und wie sie den Blutzuckerspiegel anpassen.

Potenziale für eine bessere UX

Das zeigt: Diabetiker*innen haben große Mengen an Daten vorliegen. Aktuell werden diese Daten noch schlecht verwertet und wichtige Entscheidungen auf die Patient*innen ausgelagert. Aus User-Experience-Sicht stellt dies – völlig unabhängig von möglichen rechtlichen Rahmenbedingungen – ein großes Problem dar. Es ist ein großer Raum für Verbesserungen vorhanden, der genutzt werden will. Richtig angewandte User- Experience-Methoden können diese Belastungen der Krankheit reduzieren. Technologisch ist es längst möglich, Entscheidungen automatisiert abzunehmen, Vorschläge zu unterbreiten und nur die Menge an Informationen zu präsentieren, die Patient*innen wirklich brauchen.

Im Zuge der Digitalisierung ist das einfache Übertragen von Daten nicht ausreichend. Es braucht darüber hinaus eine intelligente Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Systemen. Ein Feedbackloop zwischen Glukosemessung, Insulinverabreichung und der Einbeziehung der Nutzenden verbessert die Therapie entscheidend. Außerdem minimiert dies Stress, was im Diabetes-Kontext besonders bedeutend ist, da Stress den Blutzuckerspiegel oft ansteigen lässt und damit eine besondere Gefahr darstellt. In einem disruptiven Ansatz sind Daten nicht nur Daten, sondern ein Rohstoff für Verbesserungen und eine große Hilfe für alle Patient*innen, um die Diabetes-Therapie deutlich weiter als einen Schritt voranzutreiben. Verbessert sich die Therapie reduziert sich für Diabetiker*innen gleichzeitig das (statistische) Risiko für Folgeerkrankungen.

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Menschzentrierte Entwicklung von Produkten bedeutet nicht, Produkte iterativ auf Basis eines längst definierten aber mittlerweile veralteten Lösungsraums zu entwickeln. Vielmehr müssen Unternehmen die Definition von Problem- und Lösungsräumen iterativ aktualisieren und diese mit dem neuesten technologischen Stand abgleichen. Kreativmethoden wie Design Thinking kombiniert zum Beispiel mit Customer Journey Mapping machen die Bedürfnisse der Nutzenden transparenter und greifbarer. So entstehen Produkte, die Patient*innen wirklich brauchen und bevorzugen. Unsere Kunden haben in unseren Projekten den Anspruch, Marktführer zu bleiben oder zu werden, indem sie das alternativlos beste Produkt für Ihre Patient*innen entwickeln. Um dies zu erreichen, gilt es, den Nutzenden mit seinen Bedürfnissen konsequent in den Mittelpunkt zu stellen.

Sie wollen mehr darüber erfahren, wie sich die Diabetes-Therapie erfolgreich digitalisieren lässt? In unserem Trendreport beleuchten wir aktuelle Diabetes-Trends aus der UX- und Technologie-Perspektive.

Exkurs: Diabetes – eine Volkskrankheit

Diabetes mellitus – die sogenannte Zuckerkrankheit – ist ein Überbegriff für verschiedene Erkrankungen des Stoffwechsels. Erkrankten fehlt das Hormon Insulin und/oder dessen Wirkung lässt mit der Zeit nach. Dadurch steigert der Blutzuckerspiegel an. Es gibt zwei Hauptformen der Diabetes: Typ-1- und Typ-2. Allein in Deutschland gibt es aktuell schätzungsweise 8.000.000 Menschen, die an Diabetes mellitus erkrankt sind. Das sind etwa 7,2 % der Erwachsenen im Alter von 18 bis 79 Jahren. Etwa 90 bis 95 % von ihnen haben Typ-2-Diabetes. Es kommen jährlich 600.000 Neuerkrankungen hinzu, was 1.600 Neuerkrankungen pro Tag entspricht.

Oft wird Diabetes – wie der deutsche Name schon sagt – fälschlicherweise auf den Umgang mit Zucker reduziert. Für viele Diabetiker*innen ist das ein Wahrnehmungsproblem in der Gesellschaft. Denn es wird der Schwere der Krankheit nicht gerecht. Oft gehen mit Diabetes schwere Folgekrankheiten einher.

  • Drei Menschen sterben pro Stunde an Diabetes.
  • Jährlich gibt es 40.000 Amputationen durch Diabetes.
  • Es erblinden 2.000 Menschen pro Jahr neu durch Diabetes.
  • 30 bis 40 % der Menschen mit Diabetes haben Nierenschäden. Es gibt jedes Jahr mehr als 2.000 Patienten pro Jahr, die durch Diabetes neu dialysepflichtig werden (Nierenersatztherapie).
  • Diabetes erhöht das Schlaganfall-Risiko um das Doppelte bis Dreifache.


Quelle: https://www.diabetesde.org/ueber_diabetes/was_ist_diabetes_/diabetes_in_zahlen