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28.09.2018

Design Sprint: Eine Woche unter Hochdruck

Erfolgreiche Innovation ist kein Zufall - sondern das Ergebnis eines konsequent nutzerorientierten Designprozesses, der offen für Experimente, aber dennoch effizient und auf das jeweilige Vorhaben abgestimmt ist. Dafür setzen wir in unseren Projekten unter anderem auf Design Sprints*. Svenja Noä, Senior User Experience Consultant bei UID, nimmt die Methode einmal genauer unter die Lupe. 

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Svenja: "Wie beim 400-Meter-Hürdenlauf kombiniert ein Design Sprint Schnelligkeit und Konzentration. In nur fünf Tagen absolvieren wir mit einem multidisziplinären Team des Kunden eine Mammutaufgabe:

  • Montag: Analyse – Ein gemeinsames Verständnis der Zielsetzung und der in dieser Woche zu klärenden Fragen erarbeiten; den Fokus des Sprints setzen
  • Dienstag: Ideation – Inspirationen sammeln und in einem mehrstufigen Prozess Ideen generieren
  • Mittwoch: Entscheidung – Die Ideen auswählen, die als Prototyp umgesetzt werden sollen; die Planung für den Prototypen erstellen
  • Donnerstag: Prototyping – Die Idee möglichst realitätsnah erfahrbar machen
  • Freitag: Test – Die Lösung mit fünf echten Nutzern testen; das Team wertet die Tests "on the fly" aus
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Wer geht an den Start?

Eine gute Mischung des Teams erweitert den Horizont und die Wissensbasis für Sprint-Ideen. Scheuen Sie sich nicht, Teilnehmer anderer Bereiche einzuladen. So entstehen neue, gemeinsame Lösungen unterschiedlicher Fachgebiete, an die zuvor niemand gedacht hat. Sollte die Design-Perspektive in Ihren Teams nicht ausreichend vertreten sein, empfehle ich, externe Experience Designer mit an Board zu nehmen. Professionelle Querdenker schaffen es oft im Handumdrehen, das Sprint Team zum "Weiter- und Anders-Denken" zu inspirieren. Das entlastet auch den Moderator, der in seiner Rolle nur sehr begrenzten Einfluss auf die inhaltliche Entwicklung des Prozesses hat.

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Was muss vorbereitet sein?

In der eng getakteten Sprint-Woche ist keine Zeit für das ausführliche Beleuchten des Nutzungskontextes. Infos über Bedürfnisse und Ziele von Nutzern und Betroffenen müssen zu Beginn vorliegen. Das können sein: qualitative Interviews mit Nutzern, ergänzt mit Daten, die der Kundenservice gesammelt oder eine Umfrage generiert hat. Laden Sie den Repräsentanten dieser Informationen für eine kurze Präsentation an Tag 1 ein oder bitten Sie ihn, beim ganzen Sprint dabei zu sein!

Was ist unverzichtbar?

Der Design Sprint erfordert die – zumindest zeitweise – Teilnahme des Entscheiders. Die Rolle des Entscheiders muss zwingend von der Person besetzt werden, die im Unternehmen die Verantwortung für das bearbeitete Produkt oder die entstehende Lösung trägt. Nur so sind die Entscheidungen tatsächlich auch über den Sprint hinaus relevant und die Zeit der Teilnehmer ist sinnvoll eingesetzt.

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Was hilft dem Team?

Das Sprint-Format verlangt den Teilnehmern einiges ab: Sechs Stunden am Tag wird hochkonzentriert im Workshop-Raum gearbeitet, das Tagesgeschäft muss liegenbleiben. Für viele Teilnehmer bedeutet das eine Frühschicht vor 10 Uhr oder eine Spätschicht nach 17 Uhr. Umso wichtiger ist es, für ein angenehmes Ambiente und eine gute Verpflegung zu sorgen: Pausen, gesunde Snacks und Getränke und ein gemeinsames Mittagessen halten die Stimmung hoch.

Wann wie vorgehen?

Design Sprints, Design Thinking und Human Centered Design Prozess sind Vorgehensweisen für nutzerorientieres Gestalten. Doch wann welche Methode einsetzen?
"Wie sieht die Zukunft des öffentlichen Personenverkehrs in München aus?" ist eine sehr offene Frage, für die sich Design Thinking wunderbar eignet. Design Sprints verwenden wir hingegen für ganz konkrete Fragen mit engem Bezug zur aktuellen Situation. Ein Beispiel: "Wie können wir die geringe Nachfrage nach öffentlichem Nahverkehr am Wochenende brechen und für eine bessere Auslastung sorgen?"


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Der Fokus des Design Sprints liegt auf einer zügigen, kreativen Bearbeitung einer konkreten Frage – und generiert bereits nach fünf Tagen Feedback von echten Nutzern. Damit eignet er sich ausgezeichnet für frühe Projektphasen, in denen man Projektentscheidungen schnell und fundiert fällen möchte. Aber auch während des Projektverlaufs lassen sich Einzelfragen gut im Sprint bearbeiten.

Zugunsten von verwertbaren Ergebnissen in kürzester Zeit muss sich der Sprint auf einzelne Aspekte einer Lösung beschränken. Der Human-Centered-Design-Prozess – im Anschluss an einen Sprint oder unabhängig davon – leistet dagegen die Ausarbeitung des Produkts.

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Fehlstarts vermeiden

Hindernisse für effizientes Sprinten:

  • Es gibt kein Management-Buy-in: Das Management betrachtet den Design Sprint als optionale Spielwiese und erwartet keine für das Produkt relevanten Entscheidungen.
  • Es steht kein Entscheider zur Verfügung oder dieser möchte die Entscheidungen an sein Team delegieren.
  • Der Entscheider ist bereits vorab von einer Lösung überzeugt und möchte diese nur noch durch einen Teamprozess legitimieren.
  • Die Teammitglieder werden für den Sprint nicht von ihren regulären Pflichten befreit.
  • Das Team ist sehr homogen und hat die zu lösenden Probleme schon wiederholt in derselben Zusammensetzung gewälzt.
  • Teammitglieder fühlen sich unsicher in ihrer Rolle im Sprint oder sind es nicht gewohnt, dass ihren Ideen Wertschätzung entgegengebracht wird.


Man sieht: Neben Schnelligkeit und Konzentration eines Sprinters ist doch auch der lange Atem eines Marathon-Läufers und der Teamgeist des Staffelteams nötig, um die Sprintwoche zum Erfolg und die Sprinter glücklich zu machen.

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Über Svenja

Svenja Noä ist Senior User Experience Consultant bei der User Interface Design GmbH in Mannheim. Als Interaction Designerin mit zusätzlicher Qualifikation zum Usability Consultant arbeitet sie an der Schnittstelle von Design, Psychologie und Informatik. Die Diplom-Designerin gleicht in ihrer Freizeit die kreativen Sprints mit Gartenarbeit, Zeichnen und Yoga aus.

* Design Sprints nach dem Muster von Google Ventures, beschrieben von Jake Knapp in "Sprint. How to Solve Big Problems and Test New Ideas in Just 5 Days", Redline Verlag 2016