"Consumer Electronics": Franz Koller und Michael Burmester geben I-Com Sonderheft heraus

Bereits 1994 gab es eine europaweite Befragung mit ca. 500 repräsentativ ausgewählten Nutzern von Haushaltselektronik und Unterhaltungselektronik – kurz Consumer Electronics – im europäischen Forschungsprojekt FACE. Eines der Ergebnisse war, dass Videorekordernutzer in 50% der Fälle zeitversetzte Aufnahmen nicht korrekt initiieren konnten. „Ja, aber das ist ja schon über 10 Jahre her“, sagen sie jetzt vielleicht. „Mittlerweile wissen wir doch viel mehr über nutzerzentrierte Gestaltung, Interaction Patterns, Gestaltungsrichtlinien und es gibt sogar Normen zu diesem Feld.“ Richtig. Oder doch nicht?

Der Schein trügt. Denn die Bedienung eines innovativen Harddisc-Recorders ist heutzutage genauso kompliziert, wie die Programmierung eines Videorecorders vor 10 Jahren. Von Usability keine Spur. Aber warum?

Anders als beim Internet, wird der Nutzer eines Consumer Electronic Produktes erst mit der Nutzungsqualität konfrontiert, wenn er das Produkt bereits erworben hat. In der Kaufsituation zählt erst einmal der Preis des Produktes, die Funktionen die es bietet und natürlich auch das Design. Somit ist die Forderung nach Usability in der Kaufphase noch nicht so hoch. Viele Kunden sind auch einfach nur zu gutgläubig, nach dem Motto „das bekommen wir schon in den Griff.“ Preisdruck und Zeitdruck sind zwei Argumente, die von Herstellersicht gegen aufwändige Usability-Prozesse sprechen. Des Weiteren unterschätzen viele Produktmanager, Entwicklungsleiter und letztendlich auch Usability Engineers die Gestaltungsherausforderungen, die in einem derartigen Gerät stecken. Kleinere Displays, geringere Leistung, spezielle Interaktionsmöglichkeiten – um nur einige zu nennen – müssen bei der Gestaltung berücksichtig werden.

Genug Gründe für ein Themenheft Consumer Electronics in der I-COM, dachten sich Franz Koller, Geschäftsführer der User Interface Design GmbH, und Michael Burmester, Professor für Usability an der Hochschule der Medien in Stuttgart und Berater für „Innovation and Research“ bei UID. Sie haben einige interessante Beiträge zusammengestellt, in denen Usability Engineering Prozesse einen wesentlichen Beitrag zum Erfolg der Produkte ausmachen.

Überblick

Der Beitrag von Olaf Preissner und Dr. Peter Rößger von Hamann Becker stellt ein preisgekröntes DIN Radionavigationssystem vor als Ergebnis eines nutzerorientierten Entwicklungsprozesses.

Der Beitrag von Johanna Elster und Patrick Huber von Premiere gibt einen Überblick über Anforderungen und Nutzungshintergrund bei elektronischen Programmführern für das digitale Fernsehen.

Der Praxisbericht von Birgit Huemer stellt die Entwicklung von interaktivem digitalem Fernsehen (iTV) in der Telekom Austria vor. Schwerpunkt des Berichtes sind die frühen Nutzertests mit aonDigital TV.

Einen Schritt weiter gehen Brigitte Ringbauer und Frank Heidmann. In deren Beitrag werden gleich mehrere Medien und Geräte in einem Smart Home vernetzt. Der Beitrag präsentiert ausgewählte Smart Home Projekte und definiert Qualitätskriterien für eine einfache Bedienung.

Andrés Lucero und Tatiana Lashina konzentrieren sich auf den Bereich der Beleuchtung im Haus und haben mit Nutzerstudien optimierte Interaktionsformen für Lichtstimmungen erarbeitet.

Dr. Ulrich Leiner und Sonja Krzonkalla arbeiten an der Herausforderung, dass Mobiltelefone immer mehr Funktionen bekommen und trotzdem einfach zu bedienen sein sollen. In ihrem Beitrag zeigen sie auf, wie sie den immer kürzeren Entwicklungszyklen bei Mobiltelefonen aus Usability Engineering Sicht gerecht werden können und welche Ansätze zu Vereinfachung der Bedienung genutzt werden.

Prof. Konrad Baumann beschäftigt sich in seinem Beitrag ebenfalls mit Mobiltelefonen, allerdings mit einem klaren Fokus auf einem neuen Konzept für Senioren. Interessant ist auch, wie Studenten des FH Joanneum in Graz in allen Phasen der Entwicklung eines Konzeptes für Senioren eingebunden wurden. Dadurch erlebten sie in ihrer Ausbildung einen hervorragenden Praxisbezug.

Den Abschluss des Themenheftes Consumer Electronics bildet der Beitrag von Bo Westerlund, der das Projekt interLiving vorstellt. Entsprechend der Skandinavischen Designtradition wurden in einem benutzerzentrierten Innovationsprozess neue Technologien entwickelt und gestaltet, die die Kommunikation zwischen Familienmitgliedern über Generationsgrenzen hinweg unterstützen.

Ein Blick in das Sonderheft lohnt sich also allemal.